Fleshmob mit Toten

 

Performensch mit Live Musik

Uraufführung 3.9.2015, Jack in the box, Köln

 

 

Von Solmaz Vakilpour, Yoshiko Waki und Rolf Baumgart

Von und mit Charlie Fouchier, Charlotte Goesaert, Christian Filips, Daniel Schröteler,

Donia Akouvi Touglo, Felizitas Kleine, Jan Nemes, Jan Patzcke, Jennifer Peterson,

Johanna-Yasirra, Kluhs, Marina Schutte, Nina Karimy, Sabine Krasemann, Sarah Syre,

Solmaz Vakilpour, Sylvana Seddig, Tim Gerhards

 

bodytalk in Koproduktion mit WARLESS DAY und Theater im Pumpenhaus Münster.

 

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Nominiert für den Kölner Tanztheaterpreis.

 

 

Flüchtlingserwachen in Köln? In Fleshmob mit Toten kooperiert bodytalk mit warless day. An wie viele Tage ohne Krieg können wir uns erinnern? Mit 21 Jahren ist Solmaz Vakilpour aus dem Iran geflohen und lebt seit zehn Jahren in Köln. Im letzten Jahr hat sie dort die Friedensbewegung warless day gegründet, mit der sie Happenings gestaltet, um im öffentlichen Raum nackt gegen den Krieg zu protestieren.  Fleshmob mit Toten fragt anhand der Biografie von Solmaz Vakilpour, was eine Tanz-Compagnie mit einer Friedensbewegung verbindet - und was nicht. Was können wir als ExpertInnen für Bewegung, als politische Körper tun, jetzt wo das Flüchtlingserwachen in Köln angekommen ist?

 

 

 

Everybody's building ships and boats

Some are building monuments, others are jotting down notes

Everybody's in despair, every girl and boy

But when Quinn the Eskimo gets here

Everybody's gonna jump for joy

Come all without, come all within

You'll not see nothing like the Mighty Quinn

 

PRESSEAUSWAHL

 

 

Die Freie Szene reagiert immer schneller auf Ereignisse, die unsere Gegenwart prägen. Die Medien sind voll von den Bildern flüchtender Menschen, und während hier das Fernsehen von der ungarischen Grenze berichtet, zeigt die Gruppe bodytalk in ihrer Produktion „Fleshmob mit Toten / Eine Performensch“ schon die Reflexion über dieses Ereignis. […] Dass es angesichts des Flüchtlingselends zwölf geschlagen hat, kommentiert der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi mit dem Satz: „Die Zeit der Schweigeminuten ist vorbei“. Die 20-köpfige Truppe von bodytalk liefert das Bild zu solchen Worten, wenn die Bühne plötzlich von nackten Leibern übersät ist, die still da liegen. […] Das Ensemble um Yoshiko Waki und Rolf Baumgart legt den Finger auf den Nerv der obskuren Gewissenskultur, und sie machen das so verwirrend, dass sich das Publikum immer wieder fragt, sind die nun dafür oder dagegen? Mit der Intention, das Publikum aus der moralischen Balance zu bringen, arbeitet bodytalk in jeder seiner Produktionen. Diese Doppelbödigkeit unterscheidet die Gruppe am deutlichsten von ihrer Konkurrenz innerhalb der Szene. […] ein wildes Treiben auf der Bühne entflammt. Musik, Tanz und Agitation, alles durchkreuzt einander. Alle Darsteller entkleiden sich, das Publikum wird - wenn es möchte - auf die Bühne geholt, so dass sich das Spektakel aus unterschiedlichen Perspektiven erleben lässt. Kopf und Körper sprechen auf ihre Weise, nichts geht in Eindimensionalität auf. […] Mit humanitärem Goodwill kommt hier niemand durch, dafür ist das Material auch viel zu heterogen und zu inspirierend. Ein Erlebnis ist es in jedem Fall, erlebt man Theater, Tanz und Performance als offenes Gesamtkunstwerk, das sein Publikum unmittelbar in Atem hält.

 

choices

 

 

 

...mitreißende Melange aus Wutbürgertum, Provokationen, tiefster Verzweiflung und ausgelas-sener Fröhlichkeit. Also das, was schon frühere Performances von bodytalk auszeichnete. […] die schaffen es immer wieder auf atemberaubene Art und Weise, Stimmungen kippen zu lassen und mit politischen Inkorrektheiten zu spielen. […] Die Performance ist von größter Radikalität – und von unendlicher Fröhlichkeit, mit der die radikalen Situationen immer wieder aufgelöst werden. Die Performer, die übrigens ihre großartigen tänzerischen Qualitäten bis zur völligen Veraus-gabung unter Beweis stellen, machen eindrucksvoll auf ihr im wahrsten Sinne des Wortes todern-stes Anliegen aufmerksam und feiern gleichzeitig eine große Party. Aber kaum drehen sie einmal an der Stimmungs-Schraube, geben wir unsere Distanz auf. Emotional durchgerüttelt werden wir unablässig von einem Gemütszustand in den nächsten getrieben. Das ist verwirrend […]

 

theater:pur

 

 

 

Die preisgekrönte Tanzkompanie „bodytalk“ ist bekannt für ihre sehr direkten Inszenierungen, die sich oft an der Schmerzgrenze bewegen. In „Fleshmob mit Toten“ fragen die Köln/Bonner im Pumpenhaus aktueller denn je nach Formen einer Friedensbewegung. […] Die Fragen, die angestoßen werden, führen weit über das eigene Schicksal hinaus. Und sind dringender denn je. Was verbindet künstlerisches und politisches Movement? Und nicht zuletzt: An wie viele Tage ohne Krieg auf der Welt können wir uns erinnern?

 

Münstersche Zeitung

 

 

 

Über weite Strecken gestaltet sich das Bühnengeschehen als Wechselbad der Gefühle. Satirische, manchmal bewusst trashig wirkende Szenen wechseln unmittelbar mit solchen von großer Intensität. […] In der Summe kann die rund 90-minütige Aufführung aber durchaus überzeugen. Auch wenn oder gerade weil man als Zuschauer immer wieder gezwungen wird, sich mental auf das Bühnengeschehen einzustellen.

 

Westfälische Nachrichten

 

 

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